Das aus für Outdoor-Jacken mit Membran?

| 12. März 2016 | 7 Kommentare

Alternative zur Membran

Seit Jahren wird uns vorgegaukelt, dass Jacken mit Membran das einzig Ware für den Outdooreinsatz sind. Wie viele andere auch, bin ich dieser Werbemaschine vor einigen Jahren auf den Leim gegangen. Mittlerweile Verkauft sich kaum noch eine Jacke ohne Membrane. Wenn ein Kunde in den Outdoorladen geht um sich eine Jacke zu kaufen gilt der Markenname des größten Membranherstellers als das Verkaufsargument schlechthin. Aber die Zeiten ändern sich!

Was spricht gegen die klassische Membran-Jacke?

Membran

Eine „atmungsaktive“ Membran

Zuallererst waren meine Erfahrungen mit Membranjacken durchweg enttäuschend. Die versprochene Atmungsaktivität konnte ich nicht mal im Ansatz bemerken und wenn dann nur subjektiv deuten. Bei schweißtreibenden Aktivitäten versagen jedoch alle Jacken. Warum brauche ich eigentlich eine Membran, wenn diese keinen Vorteil bringt? Meine erste Jacke war nach einer Vierwöchigen tour, bei der diese im Dauereinsatz getragen wurde, durchgetragen und vermutlich durch Schweiß und Schmutz undicht geworden. Spätere Modelle hielten dann besser, waren aber auch nicht wirklich atmungsaktiv und einfach nur unnötig teuer.

Der Detox-Skandal

Die Umweltorganisation Greenpeace hat in jüngster Vergangenheit dann eine Studie herausgebracht, die uns allen aufzeigt, dass unsere geliebten Regenjacken, mit denen wir die Natur erkunden wollen, eben diese zerstören. Natürlich sind daran nicht allein die Outdoorhersteller schuld, jedoch erwarte ich von diesen ein schnelleres und konsequenteres Umdenken. Ich will in diesem Fall gar nicht so weit ins Detail gehen, da ihr dies auf der Landingpage von Greenpeace viel besser erklärt bekommt und ich euch nicht mit gefährlichem Halbwissen belästigen will.

Fakt ist, dass besonders die Imprägnierung von Membranjacken erhebliche Anteile an PFCs enthalten, die in der Natur nicht abgebaut werden können. Wir tragen also diese giftigen Chemikalien genau dorthin, wo sie eigentlich nie hätten landen sollen.

Die Alternativlosigkeitslüge

Viele Hersteller von Outdoorbekleidung verwenden diese Materialien jedoch weiterhin. Es steckt natürlich auch eine Menge Geld dahinter. Oft wird behauptet, dass man noch Jahre brauchen wird um die Produktion umzustellen und eine vergleichbare, umweltfreundliche Methode zu finden, um atmungsaktive Regenjacken herstellen zu können. Natürlich gibt es auch viele Firmen, die Zeichen der Zeit erkannt haben und diesen Prozess vorantreiben wollen. Andere Hersteller behaupten, dass es auf absehbare Zeit schlichtweg keine Alternative gäbe.

Es gibt Alternativen

Meine persönliche Erfahrung mit Membranen weist mir den Weg zu einer sehr einfachen Alternative: Eine Membranfreie Jacke, die ohne Imprägnierung funktioniert und zudem leichter ist. Leider gibt es diese kaum noch auf dem Markt, sodass man hier oft zu MYOG greifen oder mit minderer Qualität auskommen muss.

Auf der ISPO wurden nun Jacken vorgestellt, die die Membrane außen auftragen und dadurch auch keine Imprägnierung mehr benötigen. Trotzdem ist die Membran danach noch immer Sondermüll und nicht gerade robust.

Bei vielen potentiellen Alternativen, wie den Frogg Toggs bin ich mir gerade selbst nicht sicher, ob diese PFC-Frei sind oder nicht?! Auf die schnelle konnte ich das nicht recherchieren. Wenn jemand was weiß, dann schreibt das gerne in die Kommentare!

Páramo Directional Clothing

Aus Großbritannien stammt die kleine Firma Páramo, deren Konzept ebenfalls ohne Membrane und ohne PFC-Imprägnierung auskommt. Ich habe eine solche Jacke nun schon seit einem Jahr in Gebrauch und werde euch in den nächsten Wochen etwas mehr zur Funktionsweise und zur Jacke selbst erzählen. Páramo war die erste Outdoor-Firma, die die Detox-Kampagne von Greenpeace unterzeichnet. Das hat sicherlich nicht viel Überwindung gekostet, da man ja quasi schon alles umgesetzt hat.

Páramo arbeitet hier stark mit der Firma Nikwax zusammen, die vielen sicherlich ein Begriff aus dem Bereich Textilpflege und Imprägnierung ist. Den Einzigen richtigen Nachteil, den ich bis jetzt erkennen konnte ist das höhere Gewicht, da die Jacken eine Art Fleece benötigen. Dadurch kann man zwar bei kühleren Temperaturen das Fleece Zuhause lassen, ist im Hochsommer jedoch schwer und zu warm unterwegs. Die neueren Modelle sind jedoch wieder ein ganzes Stück leichter geworden. Eine Entwicklung, die man definitiv verfolgen und unterstützen sollte.

Weitere Alternativen

Einige weitere Alternativen kündigen sich am Horizont an. Allerdings habe ich dort noch nichts handfestes gesehen. Ich freue mich über Tipps und Ergänzungen in den Kommentaren und ergänze diese auch gerne im Artikel. Unsere Natur und die Gesundheit von Mensch und Tier auf diesem Planeten geht schließlich uns alle etwas an.

Ich habe die Negativbeispiele in diesem Artikel nicht bei Namen genannt, da diese stellvertretend für viele viele weitere Unternehmen aus der Outdoor-Branche stehen und sich die Namen nach belieben austauschen lassen. Außerdem bin ich kein Chemiker und verstehe die Zusammenhänge nur laienhaft.

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Kategorie: Outdoor-Ausrüstung

Kommentare (7)

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  1. Ein Leser sagt:

    Bei der Atmungsaktivität von Membranen stimme ich Dir zu, die finde ich lachhaft. Der Unterschied zu meiner komplett dichten Nylon-Regenjacke ist nicht allzu groß.

    Membranen sind schön, solange man sich nicht großartig körperlich anstrengt. Sobald man aktiver wird, produziert der Körper schnell mehr Feuchtigkeit als durch die Membran nach außen diffundieren kann. Bei längerem oder starkem Regen wird auch die beste Imprägnierung irgendwann nachgeben, dadurch wird die Membran nass, der osmotische Druck außen gleicht sich dem innen an, wodurch die vom Körper abgegebene Feuchtigkeit nicht mehr nach außen diffundiert und man das Gefühl hat, der Regen käme durch die Membran nach innen.
    Ob ich nun von außen nass werde oder durch das nicht abziehende Geschwitze, macht dann auch keinen Unterschied mehr…

    Im weiteren Verlauf hast Du jedoch zwei Denkfehler.

    – Die PFC in der Imprägnierung könnten das Aus für Membran-Jacken bedeuten? Und womit werden membranfreie Jacken imprägniert? Richtig, mit genau den selben Mitteln. Und da ist Fluorcarbon nun einmal bislang der Industriestandard.

    Die Frage ist hier nicht Membran oder nicht Membran, sondern Fluorcarbon oder nicht Fluorcarbon. Es gibt gute Imprägnierungen auch auf Basis von Polyurethan (das abbaubar ist), Silikon, anderen Polymeren oder auch Wachsen (die vor allem für Baumwollgewebe). Besonders empfehlenswert ist hierbei Eco Finish (produziert eine dem Lotus-Effekt ähnlich mikrohügelige Oberflächenstruktur, ist aber leider nur für industrielle Verarbeitung verfügbar), auf das z.B. Vaude setzt.

    – Membran = Sondermüll? Nein, nicht pauschal. GoreTex, weil PTFE-basiert und damit Fluorhaltig. Die meisten (wenn nicht alle) anderen Membranen sind aus unproblematischen Materialien, Sympatex z.B. aus Polyester. Auch hier Vorreiter bei den großen Herstellern: Vaude.

    Dort bemüht man sich schon seit Jahren, konsequent Schritt für Schritt die Schadstoffe zu eliminieren, Ziel ist Schadstofffreiheit in einigen Jahren. Bei den Tests von Greenpeace schnitten sie auch entsprechend gut ab.
    http://www.vaude.com/de-DE/Produkte/Innovationen/PFC-frei-Eco-Finish/

    – „Eine Membranfreie Jacke, die ohne Imprägnierung funktioniert“
    …wird schwer zu finden sein. Sobald Lücken zwischen den Fasern sind, durch die ein vernünftiger Luftstrom möglich ist, können auch Wassertropfen diese Lücken durchdringen. Ohne Imprägnierung wird es daher kaum bis gar nicht gehen.
    Das Problem mit Fluorcarbon-Imprägnierungen ist, daß sie sehr wirkungsvoll und haltbar sind, die Alternativen in der Vergangenheit in beiden Punkten nicht mithalten konnten. Das hat sich mittlerweile geändert, es gibt mehrere Alternativen, die nicht nur mithalten können, sondern teils sogar besser sind. Jetzt braucht es Druck auf die traditionell geizigen Hersteller, von PFC abzuschwenken und auf umweltfreundliche Alternativen umzustellen. Ebenso bei den Membranen. Diesen Druck kann man als Konsument z.B. dadurch ausüben, dass man konsequent nur fluorfreie Produkte kauft. (Und natürlich das übliche, an Unterschriftenaktionen beteiligen, Mails an Hersteller schreiben etc.)

    Übrigens kann man ja, wenn man eine membranfreie Jacke will, aber nicht fündig wird, durchaus auch einfach eine membranhaltige zu einer membranfreien umgestalten: Innenfutter öffnen (ein, zwei Handbreit sollte ausreichen), Membran heraustrennen (entlang der Nähte abschneiden, die mit Tape versiegelten Nahtstreifen aber intakt lassen), Innenfutter wieder zumachen, voila. Immer noch deutlich weniger Aufwand als MYOG. Wenn man als Basis eine Jacke mit luftigem Netz-Innenfutter nimmt, kommt das der Atmungsaktivität zusätzlich entgegen. 🙂

    • Peterson sagt:

      Ich sehe da keine Denkfehler in Dennis‘ Artikel. Zu deinen Punkten:
      – Wenn man keine Membrane in der Jacke hat, braucht man auch keine Imprägnierung. Es müssen ja keine Lücken im Stoff sein, aus denen evtl. irgendein Wasserdampf entweicht. Das regelt man besser mit einer guten Belüftung. Ergo: Keine Membrane = keine Imprägnierung.

      – Neben Gore-Tex sind unter anderem die eVent-Membrane und deren ganzen Rebrands PTFE-basiert. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Vaude und Sympatex sind sicherlich schon auf einem guten Weg!

      – Siehe den ersten Punkt. Eine gute Belüftung ist das A und O! Besser als jede „atmungsaktive“ Jacke.

  2. Marco sagt:

    Bedingt durch meine mehr als schlechten Erfahrungen im Zusammenhang mit GTex Outdoor-Jacken bin ich vor knapp einem Jahr auf Sympatex umgestiegen. Wird in meinem Bereich u.A. von Graphiteleader (Rainwear) und diversen anderen, japanischen Brands im Angelsektor verwendet.

    Funktioniert bis jetzt im wahrsten Sinne des Wortes hervorragend und das gute PTFE-Free Gefühl ist nochmal ein Pluspunkt mehr. Trotzalledem werden sich meine zukünftigen Investition wohl eher im Bereich komplett membranfreier Bekleidung bewegen.

  3. Andreas sagt:

    Von Membrantextilien bin ich mitunter recht genervt. Dicht ist toll, aber wenn ich sie brauche (im Regen halt), kommen sie mit ihrer „Atmung“ mal direkt an ihre Grenzen. Und wenn ich an ihre Haltbarkeit vor allem in meinen Schuhen denke…
    Ich bin durch meinen Artikel „Winddicht, wasserdicht, atmungsaktiv – Nur ein Marketinggag?“ auf deinen gestoßen. Puuh, ich bin nicht der einzige, der nicht restlos glücklich mit den Dingern ist. 😉
    http://www.radundfuss.de/theorie-praxis/tipps-infos/atmungsaktiv

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